Spezialgebiet: urologische Tumorchirurgie

URO ONKOLOGIE bezeichnet die Lehre der Behandlung bösartiger Tumoren des Urogenitaltraktes. Die operative Behandlung übernimmt der Urologe, während die medizinische Behandlung (Chemotherapie, medikamentöse Tumortherapie) vom Fachgebiet der Onkologie geleitet wird. Auch in der Radio-Onkologie werden urologische Tumoren mit Strahlentherapie behandelt. Auch diese Spezialisten sind eng in die Betreuung von Patienten mit urologischen Tumoren eingebunden. Es handelt sich bei der Behandlung von uroonkologischen Patienten um eine interdisziplinäre Therapie, bei welcher eine enge Zusammenarbeit zwischen den erwähnten Fachrichtungen eine wichtige Voraussetzung darstellt.

Prostatakrebs (Prostatakarzinom): radikale Prostatektomie (vollständige Entfernung der Prostata)

Die operative Behandlung des lokalisierten, frühentdeckten Prostatakrebses wird routinemässig in der offen-retropubischen Technik durchgeführt. Hier wird die gesamte Prostata mit oder ohne (samenblasenerhaltende Technik) Samenblasen möglichst unter Erhalt der Kontinenz und der Erektionsfähigkeit entfernt. Durch immer wieder aktualisierte, operative Techniken (nervenschonende Operationstechnik) wird ein ideales funktionelles Ergebnis (kontinenz- und potenzerhaltend) angestrebt. Nutzen und Schaden einer solchen Operation müssen ausführlich mit den betroffenen Männern besprochen werden. Eine ausführliche Besprechung von Nutzen (Heilung vom Prostatakrebs in über 85%) und möglichem Schaden (Inkontinenz in ca.5%, Erektionsstörungen in ca 50% trotz potenzerhaltender Operationstechnik) geht jeder Operation voraus. Das Stadium (Frühstadium oder lokal fortgeschrittenes Stadium), in welcher der Krebs entdeckt wird, spielt eine erhebliche Rolle bei der Wahl der Operationstechnik. Ziel der Operation muss immer eine anhaltende Heilung der Erkrankung sein. Die Resultate von rund 400 von mir operierten Patienten (Stand 2016), sind mit über 90% Kontinenz (kein Bedarf an Vorlagen) und um 50% Erhalt der Erektionsfähigkeit (ein Jahr nach der Operation) können als gut bezeichnet werden und entsprechen den internationalen Standards.

Seit 2016 verfügt die Merian Iselin Klinik, wo ich meine operativen Eingriffe in der Regel durchführe, über einen roboterassistiertes Operationssystem (Da Vinci System, s.o.), mit der diese Operation durch mehrere kleinere Inzisionen im Unterbauch durchgeführt werden kann. Diese in den USA populärere und dort praktisch nur noch angewendete Technik hat entgegen den ursprünglichen Erwartungen zu keiner messbaren Verbesserungen der oben genannten OP Ergebnisse geführt, sofern die klassische Methode (Schnittoperation) von einem erfahrenen Chirurgen durchgeführt wird. Die Resultate bezgl. Kontinenz, Potenz und auch Tumorfreiheit nach der OP sind daher absolut vergleichbar. Es ist interessant zu beobachten, dass die Roboterchirurgie des Prostatakarzinoms trotz fehlendem Nachweis von Vorteilen stetig am Steigen ist. Inzwischen, fünfzehn Jahre nach der Markteinführung, ist dies auch ein Thema in der Tagespresse (Berichte im Tages Anzeiger vom 2. und 3.10.2016). In der weltweit renommierten Martini Klinik in Hamburg werden beide Methoden parallel und auf hohem technischem Niveau angeboten. Das Team dieser Klinik blickt auf einen Erfahrungsschatz von rund 20'000 Prostatakrebs Operationen zurück. Die dort publizierten Operationsergebnisse der behandelten Patienten belegen die Gleichwertigkeit der jeweiligen Operationsmethode (Vergleich der OP Methoden an der Martini Klinik). Aktuell kann nach wissenschaftlicher Analyse von Daten der letzten fünfzehn Jahre festgehalten werden, dass der Erfolg dieser Operation nicht mit der Operationstechnik sondern in erster Linie mit der Erfahrung des Operateurs in direktem Zusammenhang steht. Eine aktuelle Publikation in der renommierten Zeitschrift Lancet 2016 bestätigt erneut diese Tatsache.

Zitat aus der Fachzeitschrift "Journal of Clinical Oncology" April 2014:

"Kann aufgrund der Resultate eine Überlegenheit der einen (offenen) oder anderen (roboterassistierten) Technik gezeigt werden? Die simple Antwort auf diese Frage lautet "Nein". "Unsere Empfehlung an die Patienten ist es daher, sich einen Operateur mit der entsprechenden Erfahrung - unabhängig von der Operationstechnik - zu suchen. So kann das Risiko von Komplikationen möglichst gering gehalten werden." (Sundi et al.: J Clin Oncol, April 2014).

Blasenkrebs(Urothelkarzinom): Zystektomie (vollständige Entfernung der Harnblase) mit neuer Harnableitung (Ersatzblase oder Urostoma)

Die meisten Blasentumoren sind auf die innere Blasenschleimhaut begrenzt und daher gut über einen Zugang durch die Harnröhre angehbar. Diese Operationstechnik (sog. transurethralen Operation) erfolgt in Teilnarkose und bedingt eine Hoispitalisation von einigen wenigen Tagen.

Anders verhält es sich bei Blasentumoren, welche bereits fortgeschritten sind und ein Tiefenwachstum in die Blasenwand zeigen. Hier muss die gesamte Harnblase entfernt werden und der Urin aus den Nieren neu geleitet werden. Hier werden in der Regel Dünndarmschlingen aus der Darmkontinuität ausgeschaltet und als Harnableitung eingesetzt. Dies kann durch die Anlage eine sogenannte Ersatzblase (aus Dünndarm) erfolgen. Hier wird an Stelle der entfernten Blase eine "künstliche Blase" aus eigenem Dünndarm angelegt, die wieder -wie vorher die eigene Blase- durch die Harnröhre entleert werden kann. Ich hatte während meiner Ausbildungszeit in Bern das Glück diese Operationstechnik von Prof. Urs E. Studer zu erlernen (Artikel zur Operationstechnik nach Studer).

In anderen Fällen muss der Urin nach der Blasenentfernung durch Anlage einer künstlichen Urinausganges an der Bauchdecke (sog. Urostomie mit ileum conduit) ausgeleitet werden.

siehe auch Kapitel TV Beiträge: Diagnose Blasenkrebs

Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom): Nierenteilresektion oder Nephrektomie (vollständige Nierenentfernung)

Nierentumoren werden wenn immer möglich unter Erhaltung der betroffenen Niere operativ entfernt. Diese sogenannte Nierenteilresektion sowie auch die gelegentlich notwendige vollständige Nierenentfernung bei grossen Tumoren werden durch einen Flankenschnitt durchgeführt.

Eignet sich der geplante Niereneingriff für die roboterassistierte laparoskopische Operationstechnik (Da Vinci System), so kann dieser Eingriff auch an der Merian Iselin Klink durchgeführt. Der für einige Tage nach der Operation schmerzhaftere Flankenschnitt fällt hier weg, weshalb eine kürzere Hospitalisationszeit zu erwarten.

Hodenkrebs (Keimzelltumoren): Entfernung von Hoden und Lymphknotenmetastasen im hinteren Bauchraum

Bei dieser oft kurzfristig geplanten Operation wird der betroffene Hoden mitsamt Nebenhoden und dem dazugehörigen Samenstrang über einen Leistenschnitt - wie bei der Leistenbruchoperation -entfernt. Eine Gewebeprobe des gesunden Gegenhodens wird in aller Regel in der gleichen Operation durchgeführt. Selten werden Lymphknoten im hinteren Bauchraum, welche auch nach erfolgter Zusatztherapie noch Krebszellen enthalten, sekundär über eine Bauchoperation vom Urologen entfernt. Dieser meist grössere Baucheingriff wird aufgrund der Notwendigkeit einer Intensivstation im Haus ebenfalls am St. Claraspital in Zusammenarbeit mit der urologischen Klinik durchgeführt.